Warum in die Ferne schweifen,
wenn das Gute liegt so nah?


von Katja Wegerich

Angelehnt an Goethes Vier-Zeiler „Erinnerung“ trifft dieses geflügelte Wort besonders auf die Kölner „Via Sacra“ zu, die – aufgereiht wie eine Perlenkette – in unmittelbarer Nähe die großen sakralen Bauten in ihrer schönsten Form präsentiert und zu einem Pilgerweg der ganz besonderen Art einlädt.

Das Haus der Architektur Köln (hdak) hat zahlreiche Initiatoren unter seinem Dach vereint, die mit dem Projekt „Via Sacra“ das Interesse und Verständnis für die Entwicklung Kölns von der römischen Provinzhauptstadt über eine der ausgedehntesten und bedeutendsten weltlichen und religiösen Zentren des Mittelalters bis hin zur modernen Großstadt wecken möchten.

Der 6 Kilometer lange Weg beginnt am Rheinauhafen, der mit den Kranhäusern und dem Stollwerckgelände einen gelungenen und würdigen Auftakt dieses baukulturellen Pilgerpfades bietet. Weiter geht es zu St. Severin: Hier schlägt das Herz des Severinsviertels. Das Alte Pfandhaus und der Kartäuserhof sind architektonische und kulturelle Perlen, aber gut versteckt im Hinterhof des prächtigen Hauses Balchem – auch hier lohnt sich definitiv ein zweiter, intensiver Blick.

Das Areal Kartäusergasse / Ulrichgasse / Vor den Siebenburgen bietet beeindruckende Mauern, Bebauung und wunderschöne Gärten – neben 60er Jahre-Tristesse, die aber ebenso ihren Platz in der Entwicklung Kölns finden muss.

St. Pantaleon ist der nächste Anlaufpunkt: Etwas von dem benediktinischen Geist ist auch heute noch zu sehen und wird durch schöne Grünanlagen rund um das Kloster auf dem „Pantaleonsberg“ spürbar.

Der Mauritiussteinweg mit St. Mauritius wird begleitet von der römischen Stadtmauer, die im Hinterhof der Siedlungsbauten zwischen Garagen und Abstellplätzen ein eher beschaulich-romantisches Schattendasein führt. St. Mauritius ist ein herausragendes Beispiel für den kreativen Wiederaufbau eines bedeutenden, weitgehend zerstörten historischen Gebäudes.

Weiter führt der Weg zur Basilika St. Aposteln, berühmt für ihren reich gegliederten Kleeblattchor mit begleitenden Winkeltürmen. Der nächste Halt erfolgt an St. Gereon: Der Blick aus der Steinfelder Gasse auf das spätantike St. Gereon ist einer der schönsten der Via Sacra und sollte auf keinen Fall verpasst werden!

Beim Namen Klingelpütz denken zumindest die älteren Kölner wahrscheinlich an das in rotem Ziegel errichtete preußische Kriminalgefängnis, das erst Ende der sechziger Jahre des 20. Jh. abgerissen wurde. Heute wird durch das Altengrabengässchen, das an den Bischöflichen Garten grenzt, der Blick frei auf wunderschöne, große Bäume, die über die Mauer hängen.

Die heilige Ursula gehörte mit den Heiligen Drei Königen und St. Gereon zu den Kölner Stadtpatronen. Diese „lieblichste“ unter den romanischen Stiftskirchen Kölns war schon früh Mittelpunkt eines Wohnquartiers mit einem eigenen Markt auf dem Ursulaplatz und lädt auch heute zum Verweilen und Entdecken ein.

Der Eigelstein lässt auf den ersten Blick keinen Bezug zur traditionsreichen Via Sacra erkennen, allerdings haben auch hier zahlreiche städtebaulichen Maßnahmen zur Verschönerung beigetragen. Die Peter-Petersen-Schule beherbergt heute eine neue bunte Kölsche Mischung, die Musikhochschule und Kölns älteste Mädchenschule!

St. Kunibert ist die letzte Station auf dieser eindrucksvollen Kurzreise durch die architektonische Geschichte Kölns und wendet dem Rhein ihre reich gegliederte, von Türmen flankierte Schauseite zu. Wer es weiß, findet am Platz am Westportal von St. Kunibert ein schmales Treppchen, das direkt zum Rheinufer führt – unbedingt anschauen!

Weitere Infos, auch zu Veranstaltungen entlang der „heiligen Straße“, finden sich bei der
hdaK, Josef-Haubrich-Hof 2, 50676 Köln
Tel. 0221-29 12 15 71
maito:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.hda-koeln.de

 

Fotos: Haus Balchem, St. Gereon, St. Kunibert
© Gerd Buckan Köln


Sommerfrische vor der Haustür: Urlaub in Kölle

Auch in diesem Sommer findet zwischen Juli und August der „Sommer Köln“ statt mit zahlreichen Open Air Spielstätten und Schaubühnen. An zahlreichen Standorten in der Innenstadt wird nach dem Motto „Open Air und Eintritt frei“ ein abwechslungsreiches Programm mit Straßentheaterensembles, Zirkus, Kindertheater und musikalischen Darbietungen präsentiert.

Info: www.sommer.koeln/programm

 

Urlaub in Kölle: Auf Entdeckertour durch die Stadt

Bereits zum dritten Mal veranstaltet die Akademie för uns kölsche Sproch / SK Stiftung Kultur vom 19. Juli bis 04. August „Urlaub in Köln“: Bekannte und bewährte Stadtführer und Experten laden bei 34 Erlebnisevents alle dazu ein, sich unserer Stadt aus einer anderen Perspektive zu nähern.

Informationen und Anmeldung unter: www.urlaubinkoeln.de

Normalpreis   10,00 € (Studenten, Schüler, Köln-Pass Inhaber 7,50 €)

 


Sommersonnenwende: Sieg der Sonne

Zur Sonnenwende am 21. Juni jeden Jahres werden bis heute Feste gefeiert und Sonnwendfeuer entzündet. Auf diesen Termin fallen die kürzeste Nacht und der längste Tag des Jahres. In Bayern sind es in der Regel Vereine, die ein Sonnwendfest in ihrem Jahresprogramm organisieren.

Auf den Termin der Sommersonnenwende hat die Kirche schon in der Antike die Feier des hl. Johannes des Täufers gelegt, der auf den Erlöser Jesus Christus hinwies: Mit christlicher Licht- und Sonnensymbolik wird dieser Tag des Sieges der Sonne und des Lichtes über Dunkelheit und Tod gefeiert.

Die Nacht zum Johannestag galt auch als „Losnacht“, denn man glaubte, in dieser Nacht sei es möglich, das Wetter für die kommenden Wochen vorauszusagen.

Jakob Grimm hat in seinem Werk „Deutsche Mythologie“ 1835 in Kapitel III geschrieben: „Die Osterfeuer, Maifeuer, Sonnwendfeuer mit ihren mannigfachen Gebräuchen, leiten auf heidnische Opfer zurück ...“. Damit betont er auch einen heidnischen Hintergrund der Gebräuche.

Derartige Entwürfe zu einer „germanischen“ Vergangenheit und Religiosität waren ein Grund für „nationale Kreise, wie Studentenverbindungen und Turnvereine“ Ende des 19. Jahrhunderts. Anfang des 20. Jahrhunderts waren es vor allem nationalistische Kreise, die Sonnwendfeste feierten und zur Zeit des Dritten Reichs erlebte das Fest einen gewaltigen Aufschwung. Das Fest wurde von den Nationalisten propagiert und in vielen Dörfern und Städten wieder eingeführt und dazu benutzt, die „Volksgemeinschaft“ zu stärken. Das Sonnwendfest wurde zu einem „rein germanischen Fest“ erklärt. Wie viele Feste wurde auch das Sonnwendfest groß inszeniert, und es wurde mithilfe einer sog. Feuerrede versucht, die Ideologie der Nationalsozialisten im Volk zu verankern.

Nach dem Krieg verschwand das Fest fast vollständig aufgrund seines Hintergrunds während der Nazidiktatur. Nach und nach wurde das Fest aber seit den 1970er Jahren wieder neu belebt und gefeiert. Heutzutage sind es oft Brauchtums-, Sport- oder Schützenvereine, die das Fest veranstalten. Durch die belastete Vergangenheit wird das Fest heute kritisch betrachtet und das Sonnwendfeuer wird auch teilweise von Neo-Nazis als Vorwand für Treffen benutzt. Der mythische Aspekt ist ein Stück weit in den Hintergrund gerückt: Heute zählt in vielen Dörfern vor allem das gesellige Beisammensein von Familien und Einwohnern aller Generationen um bei Musik, Wein, Bier und dem Feuer die Nacht zu genießen

Text: Dominika Gehenzig

Bilder: Gerd Buckan